Neugestaltung Areal Löhertor – Stellungnahme

FuldaFulda28. Dezember 2016

Mit Freude haben die Freien Demokraten die Nachricht aufgenommen, dass sich nach langem Stillstand wieder Bewegung in die Entwicklung des Löhertors kommen sollte. Und es ist ein Grund zur Freude, denn die Planungen sehen viel Gutes für den diesen Bereich vor.

Sicherlich kann man hinsichtlich Größe und Gestaltung immer unterschiedlicher Ansicht sein und die Höhe des für die Rhönenergie vorgesehen Teils des Gebäudes mit fünf Stockwerken verlangt dem Betrachter schon Wohlwollen ab. Aber das Gebäude muss sich an den Nutzungen orientieren. Es muss hinreichend Raum bieten für den Ankermieter Rhönenergie, so dass unsere Kritik sich nicht gegen die Dimensionen des geplanten Projekts richten kann.
Durch die Planungen ist es möglich den Verkehrslärm im Wege der Riegelbauweise außen vor zu lassen und Raum zu schaffen für „ruhige“ und stadtnahe Wohnungen. Auch die vorgesehene Nutzung für das „Haus der Bildung“ sehen wir positiv.

Aber bei all der Freude über die Bewegung und die Entwicklung möchte ich Ihnen hier dennoch die Gründe dafür darlegen, warum wir dem Aufstellungsbeschluss in der vorliegenden Form nicht zustimmen können. Wir haben das Vorhaben ausführlich in unserer Fraktion beraten und abschließend einen einvernehmlichen Beschluss getroffen.
Dabei richtet sich die Kritik nicht gegen die Entwicklung und das Projekt an sich, sondern fast ausschließlich gegen die Teilnutzung des Gebäudes, welche ein weiteres Hotel für die Stadt Fulda vorsieht.

Bereits im Rahmen der ersten Information über das Vorhaben habe ich darauf hingewiesen, dass die Stadt Fulda nur schwerlich ein weiteres Hotel verkraften kann.

Und bevor nun wieder Rufe laut werden, die Freien Demokraten würden sich gegen den Wettbewerb stellen, so kann ich Ihnen nur sagen, dass die mit Nichten der Fall ist. Wir stehen für Wettbewerb und sehen darin einen Motor der gesunden Entwicklung der Wirtschaft und die Grundvoraussetzung für ein marktgerechtes Angebot. Wenn wir jedoch als Politiker durch unseren Beschluss massiv in den Wettbewerb eingreifen, so müssen wir uns vorab die Frage stellen, welche Konsequenzen dies für bereits bestehende Unternehmen mit deren Mitarbeitern und Familien hat. Dabei geht es nicht darum diese vor Wettbewerb zu schützen, sondern darum, das Vertrauen dieser auf verlässliche Rahmenbedingungen nicht zu erschüttern und deren wirtschaftliche Grundlage nicht durch politische Entscheidungen zu gefährden.

Oft war, und so hat es unser Oberbürgermeister mehrfach wiederholt, die Rede davon, dass es einen hervorragenden Zustrom an Gästen in unserer Stadt gebe und dies zu einer annähernden Vollauslastung der Beherbergungsbetriebe führe. Dies entspricht jedoch bedauerlicherweise keineswegs den Tatsachen.
Und um dem gleich vorzugreifen und dem Vorwurf zu entgehen, ich würde etwas unterstellen muss ich Sie nun mit ein paar Zahlen, nachzulesen unter anderem unter statistik.hessen.de, behelligen.

Fulda verfügt über 47 Beherbergungsbetriebe mit 3.741 Schlafgelegenheiten, also Betten, nicht Zimmern.
Im Zeitraum Januar bis August 2016, also ganz aktuell und unter Einschluss des Musikalsommers, gab es 387.266 Übernachtungen. Bezogen auf diesen Zeitraum lag damit die Bettenauslastung bei 43,1%, 2015 im Jahresmittel bei 43%.

Von Vollauslastung würde man jedoch erst bei einer Belegung von über 80% sprechen, so dass man klar sehen kann, dass wir davon weit entfernt sind.

Dabei hat sich das Bild der Hotels in Fulda in der jüngeren Vergangenheit bereits erheblich gewandelt. Das neue Hotel Platzhirsch verfügt über 105 Zimmer, das Invite über 54 Zimmer, somit verfügen beide zusammen jährlich über eine Kapazität von ca. 100.000 Übernachtungen. Das sich im Bau befindliche B&B Hotel verfügt nach Fertigstellung über 107 Zimmer, somit einer weiteren Kapazität von 78.110 Übernachtungen.
Dazu kommen die nicht in der Stadt Fulda gelegenen Hotels Bäderpark, Florenberg und Casino mit zusammen weiteren 46.000 Übernachtungsplätzen pro Jahr. Das nun im Löhertor geplante Hotel soll über 150 bis 165 Zimmer verfügen, somit eine weitere Kapazität von ca. 120.000 Gästebetten pro Jahr.

Damit stehen alleine durch die genannten neuen Hotels und nur diese in der Stadt Fulda Kapazitäten zur Verfügung, die 3/4 der Gesamtübernachtungen des Zeitraums Januar bis August bereits abdecken. Im Ergebnis heißt dies Verdrängungswettbewerb und Wegfall der Individualhotellerie, standardisierte Hotelsysteme ohne Vielfalt und negativer Einfluss auf die Attraktivität der Stadt. Wir würden gerne den Planungen zustimmen und tun dies auch, wenn von den Planungen für ein weiteres Hotel und dem damit verbundenen Eingriff in die kommunale Marktsituation Abstand genommen wird.

Unter den gegebenen Umständen jedoch können wir dem Projekt unsere Zustimmung nicht geben. Wir wünschen uns eine Entwicklung auf dem Areal Löhertor und freuen uns, dass man damit zum überwiegenden Teil auf einem guten Weg ist. Aber nicht um jeden Preis.

Michael Grosch (Fraktionsvorsitzender FDP Fulda)